PM 11. April: Brokdorf abschalten

Pressemitteilung, 11. April 2017:  AKW Brokdorf abschalten – bevor es zur Katastrophe kommt

Zahlreiche Initiativen und Umweltverbänden rufen für den Sonntag nach Ostern (23. April) zu einer Protest- und Kulturmeile am AKW Brokdorf ab zwei vor zwölf auf.

Aus Anlass des 31. Jahrestags der Atomkatastrophe in Tschernobyl wollen die Veranstalter nicht nur an das noch immer andauernde Leid der Erkrankten erinnern sowie der Toten von Tschernobyl gedenken. Sie wollen auch das Bewusstsein dafür wach halten, dass ein  jederzeit möglicher Kernschmelzunfall im AKW Brokdorf, dessen radioaktives Inventar ganz erheblich größer ist als das des AKW Tschernobyl, in Norddeutschland bis zu ca. 6 Millionen obdachlos machen könnte – so Berechnungen des Bundesamts für Strahlenschutz.

Dieses Risiko ist völlig unnötig; denn der Strom aus dem AKW Brokdorf wird nicht benötigt – so eine Information aus dem Energieministerium in Kiel. Das AKW wird auch nicht für die Netzstabilität gebraucht – so der Netzbetreiber Tennet. Bei der Herstellung dieses überflüssigen Produkts fallen jedes Jahr ca. zweieinhalb Castoren voll mit hochradioaktivem Atommüll an. Gering strahlender Atommüll soll in der Umgebung verteilt oder zu Kochtöpfen und anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs eingeschmolzen werden.

Erst jetzt, fast 16 Jahre nach dem terroristischen Flugzeugabsturz auf das World Trade Center in New York, ist bekannt geworden, dass AKWs teilevakuiert werden und Abfangjäger aufsteigen, um Flugzeuge, zu denen der Funkkontakt abgerissen ist, daran zu hindern, Atomkraftwerke anzugreifen. Aber der Öffentlichkeit wurde vorgegaukelt, dass dieses Szenario keine Gefahr für die AKW bedeutet. Das ist keine für das Funktionieren einer Demokratie erforderliche Transparenz: wir sind weit davon entfernt, als mündige Bürger*innen geachtet zu werden.

Bei dieser Sachlage ist es nicht akzeptabel, dass die Atomaufsichtsbehörde in Kiel noch immer nicht auf die bereits am 18.7.2016 begründete Klage von Anwohnern vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig reagiert hat, die u. a. mit dem herbeigeführten Flugzeugabsturz begründet wird. Den vorhergehenden Antrag auf Abschaltung des AKW Brokdorf hatte das Ministerium u. a. mit der Begründung “ … nach aktueller Erkenntnislage kann keine erhebliche Gefährdung … angenommen werden“ abgelehnt.

Im AKW Brokdorf wurden bei der letzten Revision Brennstäbe entdeckt, die eine mehr als doppelt so dicke Oxidschicht haben als gestattet. Dies führt zu einer Schwächung der Hüllrohre, so dass insbesondere bei Störfällen wesentlich mehr Nuklide freigesetzt werden können als bei Genehmigung angenommen. Die Entscheidung des Umweltministers ist also konsequent, das Wiederanfahren des AKW so lange zu untersagen, „bis es ausgeschlossen ist, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt.“ Indes, der geäußerten Vermutung, es handele sich um Wahlkampfgetöse, können wir uns nicht entziehen: Denn wer weiß heute schon, wer nach der Landtagswahl die Atomaufsicht leitet. Wir vermuten, dass der Betreiber viel früher von den Problemen im Reaktor wusste, aber sie nicht meldete und das AKW weiterlaufen ließ.

Es ist absehbar – der Termin wurde schon mehrmals verschoben – dass in den nächsten Jahren 7 Behälter mit hoch radioaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield ohne Öffentlichkeitsbeteiligung nach Brokdorf transportiert werden. Die Gemeinde Brokdorf hat sich dagegen ausgesprochen. Dadurch wird das radioaktive Inventar des Zwischenlagers erheblich erhöht.

Wir werben darum, dass wieder mehr Menschen erkennen, dass Politik und Gerichte nicht den Atomausstieg vollenden sondern der Widerstand der Betroffenen, die ihr Recht und das ihrer Kinder auf Leben und Gesundheit verteidigen und bewahren wollen.

Ablauf der Veranstaltung:

Auf der Protest- und Kulturmeile werden sich viele Gruppen mit Informationen über ihre Arbeit präsentieren. Es gibt die bekannt gute Verpflegung sowie kulturelle Beiträge zum Mitsingen und Mitmachen. Für Kinder gibt es Mitmachaktionen. Einige Gruppen haben Themen bezogene Aktionen angekündigt.

Es gibt folgende Redebeiträge:

  • Elke Leuschner, Anti-AKW Gruppe Dithmarschen, zur Problematik im Atommülllager Asse
  • Heinz Smital, Greenpeace Deutschland, zur Situation in Japan
  • Wolfgang Ehmke, BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, zur Endlagerproblematik
  • Karsten Hinrichsen, Brokdorf-akut, zur aktuellen Gefährdung durch das AKW Brokdorf

Es findet eine Diskussion mit den bei der Landtagswahl antretenden Parteien statt – Die Piraten, Südschleswigscher Wählerverband, Die Grünen, Die Linke haben zugesagt – zu dem Thema „Ausstiegspolitik in SH“. Moderator ist Rainer Guschel, Mitglied im Landesvorstand des BUND.

Kontakt:

Karsten Hinrichsen, Brokdorf, Tel 04829/7080, karsten-hinrichsen@web.de